6 Kommentare zu “Wortbeflügler: 8. Frühlingssuche

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  2. Ich habe mitgesucht und das gefunden:

    Um sein Lächeln zu ergründen, muss ich seinen Platz einnehmen, sehen, was er sieht. Also stelle ich mich neben ihn und schaue aus dem Fenster.
    Im Garten unter seinem Fenster, direkt am Zaun, ducken sich, dicht an dicht, die Winterlinge. Weit haben sie ihre gelben Blüten geöffnet, ein Gruß an die Sonne, deren Strahlen sie hungrig aufsaugen. Später, wenn die Sonne hinter den Häuserdächern untergehen wird, werden sie ihre Blüten zu kleinen runden Kugeln schließen, die Wärme sicher in ihnen speichern.
    Zwischen den Erdhügeln, die die empfindlichen Rosen gegen den Frost schützten, haben sich Schneeglöckchen ihren Weg ans Licht gebahnt. Ihre Köpfchen zittern bei jedem Lufthauch, fast meint man ein leises Klingen zu vernehmen.
    Der Blick wandert weiter in den Nachbargarten. Dort hat die Sonne den Tulpenbaum geweckt. Dick sind die Knospen der Magnolie angeschwollen. Der seidige Flaum der Hochblätter bewahrt sie vor kalten Nächten. Wenn man genau hinsieht, meint man schon einen Hauch von zartem Gelb auf der Forsythie zu erkennen. Die Weide, in der äußersten Ecke des Gartens, hat sich über und über mit silbrigweißen, flauschigen Kätzchen geschmückt. Ich kann mich kaum sattsehen. So viele Frühlingsboten vor dem Fenster! Aber keiner von ihnen ist der Grund seines Lächelns. Was ist es dann?
    Er schaut auf die andere Straßenseite. Aber dort blüht nichts. Dort gibt es nur graue Häuser und den nackten Asphalt. Dann begreife ich. Zwei Kinder sind dort beschäftigt. Emsig malen sie mit großer bunter Kreide etwas auf die Straße. Es sind unbeholfene Vierecke, manche nebeneinander, einige hintereinander.
    Der Mann klappt das Fenster an. Nun kann man die Kinder auch hören. Eine Erinnerung wird wach. Himmel und Hölle. Das uralte Spiel. Die Kinder hüpfen abwechselnd durch die Felder, ihr Lachen dringt in die Wohnung. Und ein Lächeln erblüht auf seinem Gesicht. Der Winter ist wahrhaftig vorbei. Er freut sich!

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