4 Kommentare zu “Wortbeflügler: 32. Wundersame Welt

  1. Bitteschön:

    „Gleich hab ich Dich“, murmelte der Rauch graublau vor sich hin, während er, Schwaden und Schlieren flimmernd durch das Zimmer waberte. Dann schloss er mit ein, zwei Ringen die unschuldig am Fenster träumende Fliege ein. Hustend flog sie an die Wand und brummte und schimpfte auf die letzten Rauchausläufer ein. „Gehts Dir noch gut? Hast Du noch alle Tassen im Schrank? Kannst Du nicht einfach verduften? Ach, was sag ich denn da? Verduften kommt von Duft. Aber Du kannst nur stänkern, weil Du einfach nur stinkst.“ Immer weiter vor sich hinmurmelnd, bemühte sie sich, den ekligen Gestank von ihren Beinchen abzuputzen, derweil der Qualm nur noch leise röchelte: „Das ist eben meine Lebensaufgabe – Leben aufgeben.“ Nur noch ein kalter Aschegeruch blieb von ihm übrig. „Bäh, pfui, wie eklig!“, summste es unaufhörlich aus dem Fliegenmaul, während sie ein ums andere Mal ihre Beinchen ableckte.

    „Komm schnell zu mir“, tönte es da vom Wasserhahn, „ich kann mich gerade noch festhalten. Schnell, dann kannst Du duschen!“ Die Fliege hielt inne und schaute zum Waschbecken. Ein kleiner Wassertropfen hing dort am Hahn, hielt sich mühsam fest und wartete auf sie. „Schnell, schnell! Ich kann gleich nicht mehr!“ Noch während die Fliege startete, verließ den Tropfen die letzte Kraft. Mit Lichtgeschwindigkeit flog die Fliege in das Becken. Der Tropfen zerplatze mit einem lauten Platsch in tausend Minitröpfchen. Wohlig wusch sich die Fliege die letzten Rauchpartikel ab, trocknete mit den Beinchen ihre Flügel und flog sauber und zufrieden durch die Balkontür. Sie setzte sich auf ein Dahlienblatt und streckte ihr Köpfchen der Sonne entgegen, als einige Facetten ihres Auges etwas an der Wand neben dem Balkon bemerkten.

    „Ich bin doch nicht zu spät, oder?“, fragte, immer wieder nach Atem ringend, eine Weinbergschnecke. Stöhnend wuchtete sie ihr schweres Haus einen Kriech weiter. „Zu spät wozu?“ erwiderte die Fliege. „Na, zu der Bierparty. Habe gehört, hier gibt ein Mensch heute ne Runde Bier aus.“ Die Fliege schüttelte verneinend den Kopf. „Warte mal, ich flieg mal ne Erkundungsrunde.“ Schon war sie weg. Nur wenige Augenblicke später setzte sie sich neben die Schnecke und sah sie bedauernd an. „Du, das tut mir jetzt wirklich leid, ganz echt. Die Bierparty findet da drüben in dem Garten mit dem großen Salatbeet statt.“ Ungläubig starrte die Schnecke ihr Gegenüber an. Nervös fuhr sie ihre Fühler ein und aus. „Bleib ruhig hier“, versuchte die Fliege sie zu trösten, „Du würdest sowieso nichts mehr abbekommen. Das ist ne Riesenfete. Mindestens hundert Schnecken sind schon da. Die meisten haben sogar ihre Häuser zu Hause gelassen.“ Sie stutzte. „Sag, mal, kann eine Schnecke ihr Haus zu Hause lassen? Mal abgesehen davon…..“

    Ich verfolgte noch eine Weile das philosophische Gespräch der beiden Tiere. Dann öffnete ich meine Augen wieder und zündete mir eine Zigarette an.

    © Elvira V.

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    • Wow! Was für eine tolle Idee! Da wäre ich jetzt wirklich nicht draufgekommen. Vor allem der Schluss ist klasse! Ist schließlich auch der Kniff des Textes. Klasse!

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      • Ich finde es nur schade, dass dieses wunderbare Projekt ganz offensichtlich nur mich beflügelt. Es wäre doch sehr spannend, mehrere Varianten des Ausgangstextes lesen zu können. Mir selber fallen ja schon manchmal verschiedene Möglichkeiten ein.

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        • Tja, es wäre wirklich schön, aber es ist, wie es ist. Ich kann niemanden zu meinem Glück zwingen. 🙂

          Da das Projekt ja immer weiterläuft, geben wir einfach die Hoffnung nicht auf. Es wäre doch so viel möglich: Fotos, Texte, Zeichnungen, Musik, Videos, …

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